Buchtipp von Helmut Törner-Roos
"Treue" von Hernan Diaz
Warum lese ich ein Buch, in dem ein Spekulant in den 20er Jahren in New York zurückgezogen in seinem Büro ständig den Börsenticker beobachtet?
Ausführlich wird beschrieben, wie er sein Vermögen ständig vermehrt, bis er schließlich beim Börsencrash 1929 durch Cleverness und Wagemut zu einem der reichsten und einflussreichsten Männer der Weltwirtschaft wird.
Ich lese dieses Buch, da ich einem Rezensenten vertraute, der schrieb: „Lesen Sie dieses Buch!“
Ansonsten hat er so gut wie nichts über den Inhalt des Buches geschrieben.
Der Clou des Buches sei dessen schriftstellerische Komposition, die dem Buch fast alles raube, würde man ihn in der Rezension verraten.
Tatsächlich packt mich der Anfang des Buches nicht.
Ja, es ist eine sehr schöne Sprache, an der ich Gefallen finde.
Aber die langen Ausführungen über die Gedankengänge des Finanzspekulanten und die Schilderungen der Vermehrung seines Reichtums langweilen mich.
Aber ich werde reichlich entlohnt…
Verraten kann ich, dass das Buch aus vier Teilen besteht.
Jeder Teil, der für sich selber steht, lässt die anderen in einem neuen Licht erscheinen und fügt eine neue Perspektive hinzu.
Das Buch hat 2023 den Pulitzer-Preis gewonnen.
In der Begründung der Jury heißt es: «Sowohl fesselnde Geschichte als auch brillantes literarisches Rätsel: Trust/Treue lässt den Leser auf die Suche nach der Wahrheit gehen, während er oder sie sich den Täuschungen stellt, die im Zentrum persönlicher Beziehungen existieren, der realitätsverzerrenden Kraft des Kapitals und der Leichtigkeit, mit der Macht die Fakten manipulieren kann.»
So kann auch dieser Buchtipp, da er Ihnen die Freude an dem Buch nicht rauben will, nur sagen: Lesen Sie dieses Buch!
Lesen Sie am besten auch keine anderen Rezensionen (fast alle verraten den Clou), am besten noch nicht einmal den Klappentext. Ich würde mich sehr täuschen, wenn Sie kein Vergnügen an dem Buch finden würden.