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25.06.2024

Buchtipp von Helmut Törner-Roos

"Die geheimste Erinnerung der Menschen" von Mohamed Mbougar Sars

Buchcover "Die geheimste Erinnerung"
Buchcover "Die geheimste Erinnerung"

Mohamed Mbougar Sarr, Die geheimste Erinnerung der Menschen

Eines zumindest kann man über einen Schriftsteller und sein Werk mit Gewissheit sagen: beide gehen zusammen durch das denkbar vollkommenste Labyrinth…

Der erste Satz enthält in nuce den ganzen Roman. Auch als Leser*in betritt man ein Labyrinth aus dem man am Ende verändert, aber auch bereichert und erfüllt, wieder herauskommt.

In Paris fällt dem Studenten Diégane, einem jungen Senegalesen, ein vergessener Kultroman ‚Das Labyrinth des Unmenschlichen‘ aus dem Jahre 1938 in die Hände. Wie sich herausstellt, ist es das einzige Exemplar, denn der Verlag hat seinerzeit alle Bestände vernichtet. Fasziniert von der Lektüre macht er sich auf die Suche nach dem Autor. Wer war T.C. Elimane?

80 Jahre nach Erscheinen des Buches stellt Diégane Nachforschungen über Elimane an. In den Presse-Archiven entdeckt er eine lebhafte und kontroverse Diskussion über das Buch. Von den einen enthusiastisch gefeiert (‚ein schwarzer Rimbaud‘), von den andern hart kritisiert (Plagiatsvorwürfe und die Frage, ob ein Schwarzer ein großer Schriftsteller in französischer Sprache sein könne). Der Verlag zieht den Roman ein und Elimane verschwindet – scheinbar spurlos. Und dann führt eine Spur nach Amsterdam, in den Senegal und nach Argentinien…

Mohamed Mbougar Sarr, senegalesischer Schriftsteller, macht es mir als Leser nicht immer leicht. Sprunghafte Erzählwechsel, verschiedene Zeitebenen und Wechsel zwischen Kontinenten verlangen meine Konzentration. Aber ich werde vielfältig belohnt. Unterschiedliche Stile und literarische Techniken wechseln sich ab (Tagebücher, Pressenotizen, Briefe, Monologe, spannende Dialoge, szenische und poetische Elemente). Ich lese gleichzeitig einen Detektivroman, eine Liebesgeschichte, einen Entwicklungsroman und eine Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe.

Dieser Roman ist große Literatur und ist gleichzeitig eine Herausforderung; wer sich auf ihn einlässt, legt das Buch nach der Lektüre bereichert zur Seite!

Mohamed Mbougar Sarr hat für „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ 2021 den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs bekommen, den Prix Goncourt.

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