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03.09.2024

"Feburar 33" von Uwe Wittstock

Buchcover "Februar 33"
Buchcover "Februar 33"

Kann man aus der Geschichte lernen?

Das Buch beginnt mit dem Presseball am 28. Januar 1933, dem bedeutendsten Ereignis der Berliner Wintersaison.  Hauptdarsteller des Kapitels ist Carl Zuckmeyer, Liebling der gehobenen Gesellschaft, daneben eine illustre Gästeliste: Erich Maria Remarque, Kadidja Wedekind, Josef von Sternberg, Gustaf Gründgens u.a. Viele kennen sich privat oder beruflich, ein kulturelles Netzwerk. Zwei Tage später ernennt der Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Vier Wochen lang, in etwa so lang, wie ein ausgedehnter Sommerurlaub, brauchte es, um die Demokratie auszuhöhlen und durch ein System der Willkür und Tyrannei zu ersetzen.

Wittstock schildert in einer Chronologie der Ereignisse, wie sich die Situation für zahlreiche AutorInnen zuspitzt. Wohnungen werden observiert, Bankkonten eingefroren, in den öffentlichen Versammlungen sitzen Spitzel der SA.  Am Ende der Kapitel zitiert er Meldungen aus dem Berliner Tagblatt und der Vossischen Zeitung, die von den blutigen Straßenkämpfen zwischen der SS und den Kommunisten und SPD-Anhängern berichten.

Bei einer Wahlkampfkundgebung kündigt der preußische Innenminister Hermann Göring an, wie er mit den Möglichkeiten umgehen wird, die ihm die neuen Notverordnungen einräumen: ‚Meine Maßnahmen werden nicht angekränkelt sein durch irgendwelche juristischen Bedenken. Meine Maßnahmen werden nicht angekränkelt sein durch irgendeine Bürokratie. Hier habe ich keine Gerechtigkeit zu üben, hier habe ich nur zu vernichten und auszurotten, weiter nichts!‘ (S. 218)

Kann man bleiben, oder sollte man gehen? Wo kann man untertauchen. Was nimmt man mit? Wittstock hat Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und Briefe, teilweise auch autobiografische Schriften zusammengetragen und malt damit ein lebendiges Bild aus der Sicht der Schriftstellenden (Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin, Ricarda Huch, Erich Kästner, Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler, Oscar Maria Graf, Joseph Roth, Egon Erwin Kisch, Berthold Brecht, u.v.a.m.), die alle auf unterschiedliche Art und Weise sich entscheiden mussten. Einige setzen sich rasch und mit klarer Vorahnung der düsteren Entwicklung aus Deutschland ab, andere zögerten, weil sie hofften, die Nazis würden genauso schnell verschwinden wie andere Regierungen zuvor. Viele von ihnen, die ins Exil gingen, sahen Deutschland erst nach vielen Jahren wieder oder gar nicht. Manche, die sich widerständig zeigten wie z.B. Carl von Ossietzky oder Erich Mühsam zahlten mit ihrem Leben.

‚Februar 33‘ schildert die sechs Wochen nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Die Entwicklung vom Rechtsstaat zur Diktatur vollzog sich rasend schnell. Im März 1933 brannten die Bücher.

Kann man aus der Geschichte lernen? Voraussetzung dafür ist, dass man die Geschichte kennt. In diesem Sinne eine starke Leseempfehlung!

Helmut Törner-Roos 12.8.2024

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