"Hast du uns endlich gefunden" von Edgar Selge
Der Titel des Buches ist ein Zitat aus dem Kapitel „Traum von meiner Mutter“. Ein Vorgefühl dafür, wie wegweisend die Eltern für Edgar waren. In seiner Biographie erzählt der bekannte Schauspieler über das Leben seiner Familie. Es spielt hauptsächlich in den 60-er Jahren in Deutschland. Erzählt wird aus der Sicht des damals zwölfjährigen Selge. Der Roman zeigt eine hochinteressante Sicht des Jungen auf die Welt und lässt tief in die Seele des Kindes blicken. Edgars Familie ist sehr musikalisch und belesen und besteht aus Vater, Mutter und den vier Brüdern. Das sind Rainer, Werner, Martin, Edgar und der jüngste Andreas. Rainer kommt kurz nach dem Krieg durch eine explodierende Granate zu Tode.
Der Vater, Staatsanwalt von Beruf, arbeitete als Gefängnisdirektor in der Jugendstrafanstalt Herford, wo die Familie auch wohnt. Als Klaviervirtuose gibt er Hauskonzerte, die auch von Strafgefangenen besucht werden. Die Mutter, eine weniger begabte Musikerin und Sängerin, ist für den Haushalt und die Organisation dieser Veranstaltungen zuständig.
Vergnüglich zu lesen sind Edgars Gespräche mit seinen Eltern. Wenn er sich verteidigen muss, weil er wieder etwas angestellt hat. Wenn er nachts heimlich ins Kino geht, Filme schaut, die noch nicht für sein Alter gedacht sind, ihm aber viel bedeuten und seine Welt vergrößern. Das Geld dafür erschleicht er sich auf verschiedenste Weise. Dabei sieht er seine Verfehlungen nicht immer so, wie die Eltern sie sehen.
Dazu wird ganz anschaulich die Stimmung nach dem verlorenen Krieg in Deutschland beschrieben. Ehrlich und ohne Scham und aus mehreren Perspektiven.
Ein realistisches, bewegendes, neue Horizonte öffnendes Buch, das sich zu lesen lohnt.