"Quasikristalle" von Eva Menasse
13 Kapitel umfasst der Roman von Eva Menasse. 13 Kapitel, in denen das Leben von Roxane Molin, genannt Xane beschrieben wird. Wir lernen sie als 14-Jährige kennen und begleiten sie bis ins hohe Alter. Xanes Kindheit wird durch schweren Schicksalsschlag jäh beendet. Als junge Frau folgt sie ihrem Dozenten zu einer Auschwitz-Exkursion. In diesem Abschnitt finden wir Menasses eigene Lebensproblematik, da sie sich, so scheint es, als Halbjüdin, nicht in die Gesellschaft einordnen kann. In jedem weiterem Kapitel erleben wir Xane neu. Sie ist Mutter, Tochter, Freundin, Mieterin, Patientin, treulose Ehefrau. Diese einzelnen Teile der Geschichte verbinden sich ganz zufällig und in jedem neuen Kapitel treffen wir einen anderen Protagonisten, der seine Sicht auf Xane erzählt. Es sind Fragmente eines ungleichmäßigen Lebens.
Allein mit dem Titel ist Menasse ein toller Clou gelungen. Quasikristalle* sind in der Chemie Kristalle, die nicht symmetrisch verlaufen, sondern gebrochen und unregelmäßig sind. Genauso ist Xanes Leben, gebrochen, unregelmäßig aber auch interessant.
„Meine Idee war, zu zeigen, in wie viele verschiedene Rollen man innerhalb eines Lebens zerfällt und dass man eine Biografie nicht vorausberechnen kann“, hatte Eva Menasse kürzlich in einem Interview erklärt.
Und der Kritiker Peter Mohr schrieb in der „Literaturkritik.de“: „Eva Menasse hat … die schwere Kost eines biografischen Puzzles mit leichter Hand ohne störende Ballaststoffe höchst bekömmlich zubereitet. Kurz gesagt: Ein literarisches Sterne-Menü, das nicht verschlungen, sondern genossen werden will – mit allen verfügbaren Sinnen.“
*Entdeckt hat sie der Chemiker Daniel Shechtman, der dafür Nobelpreis für Chemie erhalten hat.