"Stay away from Gretchen" von Susanne Abel
Susanne Abel versteht es, die deutsche Nachkriegszeit in einem realistischen und gleichzeitig gut lesbaren Ton lesbar zu machen.
Spannend verfolgen wir rückblickend die Geschichte der Greta Monderath, die zur Zeit des Erzählens bereits in die Jahre gekommen ist. Genauso spannend und intensiv wird in der Jetztzeit das Leben ihres Sohnes Tom, eines genauso berühmten wie erfolgreichen Fernsehjournalisten und -moderatoren dem Leser präsentiert.
Greta hat, wie viele andere auch, nie von der Zeit im Krieg erzählt. Nun ist sie langsam desorientiert und der vielbeschäftigte Sohn muss sich um die demente Mama kümmern. Dabei stößt er auf ihre Vergangenheit. Er lernt seine Mutter als Kleinkind kennen, ihr Leben als junges Mädchen, Ihre Liebe zu ihrem eigenen Papa, ihre Verbundenheit zu Nationalsozialismus, ihren Erfindungsgeist beim Überlebenskampf in der Nachkriegszeit. Tomas erfährt von der großen Liebe der Mama zu einem schwarzen GI. Diese Liebe berührt, sie macht deutlich, dass es die große Liebe gibt, die ein Leben lang andauert und wenn auch nur in Erinnerung.
Was die Besatzung und das Elend nach dem Kriegsende für jeden einzelnen bedeutet hat, erzählt hier Abel offen und erschütternd, ohne rührselig zu werden. Realistisch wird auch der Rassismus unter den US-Soldaten gezeigt.
Die Figuren im Buch sind lebendig und real beschrieben und wir können ihnen gut folgen. Greta und den Opa Ludwig, sowie den schwarzen GI Bob Cooper wird so mancher in sein Herz schließen.