"Steinhammer" von Jörg Thadeusz
Der Titel des Romans „Steinhammer“ ist nach der Straße in Dortmund-Lütgendortmund benannt, wo Edgar aufwächst. Es sind die Nachkriegsjahre. Edgars Vater ist im Krieg gefallen. Um versorgt zu sein, heiratet die Mutter Jupp, den Bruder ihres verstorbenen Mannes. Jupp ist Kriegsveteran und betreibt seinen eigenen Friseursalon.
Doch die Wärme kann diese Familien-Konstellation Edgar nicht geben. Das beste Verhältnis hat Edgar zu der jüngeren Halbschwester. Ganz wichtige Rolle in seinem Leben nehmen seine Freunde Nelly und Jürgen ein. Mit ihnen träumt er von einer Zukunft außerhalb der Grenzen dieser Stadt. Tatsächlich schaffen sie es, jeder für sich den Weg zu gehen, der zur eigenen Vorstellung passt. Edgar ist kunstbegabt. Es gelingt ihm, sich von Schaufensterdekorateur über Kunstmalerei bis zum Kunstprofessor hochzuarbeiten. Jürgen macht sein Glück in Amerika und Nelly in Berlin. Trotz der großen Entfernungen bleiben sie einander tief verbunden und halten Kontakt. Wenn Edgar seinerseits es meistens nur in Gedanken tut.
Etwas an diesem Roman ist ganz besonders. Alle Personen sind so echt, so liebevoll kauzig, so warm und so real beschrieben, dass der Leser das Gefühl bekommt, er hätte seine Nachbarn, Freunde, Verwandte vor sich. Mit Edgars künstlerischem Werdegang wird auch die Kunstentwicklung der 70-er Jahre so wie das Werken der Künstler um Beuys beleuchtet. Eine verrückte Zeit, die sich im Nachhinein wunderbar liest. Der Namen Beuys findet sich im Roman nicht. Weil „Steinhammer“ auch etwas mit dem Leben des Künstlers Norbert Thadeusz zu tun hat, errät der Leser das aber sehr schnell.