"Tell" von Joachim B. Schmidt
2020 ist von Joachim B. Schmidt der vielbesprochene Roman „Kalmann“ erschienen, 2022 folgte „Tell“. Das sind zwei Romane, die zu lesen sich absolut lohnt.
Schmidt versteht es, in seinem „Tell“ die Geschichte von Wilhelm so zu schreiben, dass sie uns vielschichtig erscheint. Der Roman handelt vom Leben der Bauern in den Schweizer Bergen, handelt von Familie, Nachbarschaft, Freundschaft, Geschwisterliebe, Vaterliebe. Hier kommen viele Menschen zu Wort und wir können in ihre Gedanken eintauchen. Unter anderen erzählen Tells Frau Hedwig, die Kinder Wilhelm, Willi, Lotta, Tells Mutter, seine Schwiegermutter, der Landvogt Gessler, der Vollstrecker Harras ihre Geschichte. Schmidt schreibt von Glauben, Aberglauben, von Eishexen, er gewährt sogar einem Bären den Auftritt. Er zeigt auf wie Gewalt sich steigern kann; die Gewalt der Herrschenden wie auch die Gewalt des Einzelnen. In den Zeilen steht treffend: „Wir sind alle Tell“.
Vor allem aber erzählt der Roman vom harten Leben der Bauern. Von Bauern die nach Meinung der Oberen nicht schwimmen können, dreckig sind, nach Mist stinken.
Das ganze Geschehen ist auf eine unglaublich spannende Art geschrieben. Die Sätze sind kurz, prägnant, treffsicher. Und wenn einer gedacht hat alles über die Geschichte von Tell zu wissen, so wird die- oder derjenige staunen wie dieser Roman es vermag uns zu bewegen, zu fesseln, ja, uns regelrecht zu übermannen.
Das Buch ist ein großes Lesevergnügen und liest sich wie ein Krimi. Einfach ein Pageturner.