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04.02.2025

Buchtipp von Helmut Törner-Roos

"Das späte Leben" von Bernhard Schlink
Buchcover "Das späte Leben"
Buchcover "Das späte Leben"

Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es bleibt wenig Zeit. Vielleicht ein halbes Jahr. Die guten, schmerzfreien Wochen werden etwa zehn bis zwölf sein, sagt der Arzt.

Er will es nicht wahrhaben. Nach wenigen Tagen ist er sich sicher, dass der Arzt die Befunde vertauscht haben muss. Aber auch der zweite Arzt bestätigt die Diagnose.

Der pensionierte Professor Martin Brehm, 76 Jahre alt, hat ein gutes Leben. Ganz zufrieden lebt er mit seiner 34 Jahre jüngeren Frau zusammen. Vor sechs Jahren schenkte sie ihm einen Sohn, David. Der Alltag erfüllt ihn, hier ein Artikel über Gerechtigkeit, da die Einladung zu einer Tagung. Ansonsten holt er David vom Kindergarten ab, kocht das Abendessen, während seine Frau Ulla in ihrem Atelier in der Stadt arbeitet.

Abends, nach dem Arztbesuch, erzählt er Ulla von der Diagnose. Sie weint ein wenig und hat bald darauf die Idee, er könne doch seinem Sohn ein Video drehen, sozusagen als Vermächtnis. Sie habe so etwas mal in einem Film gesehen. Ein Vater hinterließ seinem Sohn eine Aufnahme, auf der er sich rasiert. Allerdings kann sich Martin nicht mit der Idee anfreunden.

Martin beobachtet in den folgenden Tagen seinen Sohn. Was wird aus ihm werden? Was soll er ihm hinterlassen? Er schreibt einen Brief an seinen Sohn, erzählt darin ein wenig aus seiner eigenen Kindheit, vertieft aber auch hier vor allem die Frage nach Gerechtigkeit. Wann David diesen Brief wohl verstehen wird…?

Viel Lob lese ich in den Rezensionen zu diesem Roman. Ein wichtiges Thema nehme Schlink auf. Wie ist das, wenn das Leben zu Ende geht? Mich berührt der Roman nicht wirklich. Die Handlung bleibt an der Oberfläche. Martin lebt sein Leben ohne viel Höhen und Tiefen auch mit der Diagnose weiter. Auch seine letzten Wochen plätschern so dahin. Er bedauert ein wenig, dass er seinen Sohn nicht wird aufwachsen sehen. Aber es erschüttert ihn nicht wirklich. Zufällig wird er gewahr, dass Ulla ihn mit einem jüngeren Mann betrügt. Aber auch das geht ihm nicht nah. Er überlegt, spürt den Mann auf und bespricht mit ihm, wie es nach seinem Tod am besten mit Ullas Leben weitergehen kann.

Der Roman hat für mich wenig Tiefgang. Hier und da rollt im Buch eine Träne. Der bevorstehende Tod löst keine Erschütterung aus.

Helmut Törner-Roos

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