Buchtipp von Helmut Törner-Roos
Es gibt Bücher, die sind anspruchsvoll und manche noch umfangreich dazu. Andere erfordern Konzentration aufgrund vieler Namen oder weil Handlungsstränge oder Zeitebenen sich abwechseln. Und es gibt Bücher für Zwischendurch. Sie sind leicht zu lesen, unterhaltsam und wenn es gut kommt, humorvoll dazu. Der Hausmann ist solch ein Buch.
Die Gentrifizierung schlägt zu: Trotz akademischer Ausbildung können Thea und Tim sich ihre Neuköllner Wohnung nicht mehr leisten und finden sich plötzlich jenseits des S-Bahn-Ringes in einem völlig anderen Milieu wieder. Tim wird zum Hausmann, der mal mehr mal weniger an einer Graphic Novel zur Klimakrise arbeitet. Theas Vater hat den Geldhahn zugedreht, so dass sie als Social Media Managerin in einem hippen Start-Up namens VOC arbeitet, das veganes Hundefutter verkauft. Bald kommt Thea nur noch zum Schlafen nach Hause. Tim dagegen knüpft den ein oder anderen Kontakt. Zum Beispiel zu Maxim, einem jungen Ukrainer aus dem 1. Stock des Hauses, der aus den umkämpften Ostgebieten geflohen ist (Die Handlung des Buches spielt im Jahr 2018) und nun unter anderem auch durch Tim Deutsch lernt.
Auch dieses Buch ist aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Erzählformen geschrieben. Tims Geschichte wird unterbrochen durch die Chats Theas mit ihrer Chefin und Freundin im Büro. Die dritte Ebene besteht aus Maxim‘s Tagebucheintragungen, mit denen er sein Deutsch verbessern will und eine ganz eigene Perspektive beisteuert. Ein weiterer Erzählstrang besteht aus den Blogs der Nachbarin Dagmar Birkenfeld (sparenmitdagmar.blogspot.com). Sie hat kürzlich das Internet für sich entdeckt, und postet nun neben Spartipps für Sparfüchse auch ihre Sicht der Vorgänge in der Nachbarschaft.
Das Besondere des Buches ist, wie leicht die schwierigen Themen unserer Zeit angesprochen werden: Krieg in der Ukraine, prekäre Arbeitsverhältnisse, Gentrifizierung, urbane Vereinsamung, Klimakrise, Multikulturelle Gesellschaft und Vorurteile. Trotz der Fülle der Themen wirkt das Buch nie überladen. Nirgendwo findet sich ein Zeigfinger oder eine erkennbare didaktische Absicht.
Vom grellen Cover bis zu den sich abwechselnden Erzählstilen ist Der Hausmann ein unkonventionelles Buch. Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen.
…und ja, es ist mehr als nur ein Buch für Zwischendurch!