Buchtipp von Helmut Törner-Roos
Weisen die Zitate von Stephen Kings ‚Sie‘ am Anfang der Kapitel darauf hin, dass wir es mit einem Psychothriller zu tun haben?
Oder geht es um eine autobiographische Erzählung?
Schließlich heißt die Hauptfigur im Roman genauso wie die Autorin Delphine.
Delphine de Vigans letzter Roman ‚Das Lächeln meiner Mutter‘ thematisiert den Suizid ihrer Mutter und ihre schmerzhafte Auseinandersetzung damit.
Auch die Hauptfigur in ‚Nach einer wahren Erzählung‘ hat gerade einen erfolgreichen Roman veröffentlicht.
Sie reist von Lesung zu Lesung und leidet immer stärker unter der hohen Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird und gerät schnell in eine große Schreibkrise.
In dieser seelischen Verfassung lernt sie die geheimnisvolle L. auf einer Party kennen.
L. übt mit ihrer Erscheinung und ihrer Empathie große Faszination auf Delphine aus.
Beide werden schnell beste Freundinnen.
Delphines Schreibkrise weitet sich aus, sie kann bald keinen Stift mehr in der Hand halten oder vor einem Worddokument sitzen.
L. beantwortet nun Delphines Emails und beginnt, sich in der Öffentlichkeit als Delphine auszugeben.
L. gewinnt immer mehr Macht über die Schriftstellerin, der die Beziehung immer unheimlicher wird.
Irgendwann ist L. verschwunden.
Niemand hatte sie mit Delphine gesehen und Delphine kann ihre Existenz nicht beweisen.
Irgendwann taucht ein Manuskript auf, dass angeblich von Delphine stammt, sie jedoch nicht geschrieben hat.
Sie macht sich auf die Suche nach L. Diese jedoch hat alle Spuren verwischt.
Der Roman ist eine spannende Auseinandersetzung mit der Frage nach Wahrheit und Fiktion.
Auch zwischen Delphine und L. findet diese Auseinandersetzung statt.
Ist es ausreichend eine gute Geschichte zu lesen oder geht es immer auch um die Frage, was ‚wirklich‘ dahintersteckt?
Zuletzt weiß man nicht mehr, was ‚wirklich‘ passiert ist, oder was der Fantasie der Schriftstellerin entspringt.
Kann das Gehirn eine Geschichte erfinden, um mit Depression fertig zu werden?
Oder ist alles tatsächlich so geschehen?
Eines der Bücher, das auch nach dem Lesen im Kopf noch nachhallt…
Helmut Törner-Roos