Buchtipp von Helmut Törner-Roos
"Wohnverwandtschaften" von Isabell Bogdan
Kennen Sie ‚Der Pfau‘ von Isabel Bogdan? Nein? Dann müssen Sie es lesen! Es ist ein Juwel.
Eine kurzweilige Komödie mit raffinierten Verwicklungen und britischem Humor.
Und Sie machen auch sicher keinen Fehler, wenn sie das neue Buch der Autorin ‚Die Wohnverwandtschaften‘ lesen.
Müssen Sie aber nicht.
Worum geht es? Eine Wohngemeinschaft in Hamburg mit vier Personen.
Murat, Anke, Jörg und Constanze stecken in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens.
Sie kommen abwechselnd in den Kapiteln zu Wort und beleuchten so aus unterschiedlichen Perspektiven den WG-Alltag.
Jörg plant eine Reise mit dem Bulli nach Georgien.
Anke hadert damit, dass sie als Schauspielerin keine Rollen mehr angeboten bekommt.
Murat ist der kreative Koch und daneben Herz und Seele der WG. Constanze, die Zahnärztin, will eigentlich nur kurz bleiben, um sich eine andere Wohnung zu suchen.
Aber ihr gefällt das Leben in der WG immer besser, so dass sie die ganzen zwei Jahre bleibt, die wir als Leser die WG begleiten.
Jörg wird nicht nach Georgien reisen. Nach einer eher harmlosen OP ist Jörg eine zeitlang verwirrt.
Dann wird seine Schusseligkeit immer größer und mit der Zeit realisieren alle, dass Jörg langsam in die Demenz abrutscht.
Was dem Buch Tiefe verleiht, ist, wie die Autorin diesen schleichenden Prozess schildert.
Aus den Perspektiven von Constanze, Anke, Murat und Jörg erlebe ich dieses unspektakuläre Drama, wie Jörg sich langsam aus dem Hier und Jetzt verabschiedet.
Nicht zuletzt, dadurch entwickelt sich zwischen den BewohnerInnen eine zarte Freundschaft, die am Ende stabil ist.
Isabel Bogdan gelingt mit dem Ton des Buches Trauriges so zu schildern, dass ich als Leser dennoch oft innerlich schmunzeln muss.
Helmut Törner-Roos