Buchtipp von Helmut Törner-Roos
"Wackelkontakt" von Wolf Haas
Kennen Sie das Bild von M.C. Escher, in dem eine Hand eine andere malt?
Haben Sie sich beim Betrachten des Bildes auch gefragt, welches die echte Hand ist, die ein Bild malt auf der eine gemalte Hand zu sehen ist?
Wolff Haas hat einen Roman geschrieben, in dem er das Bild mit seinen Fragen literarisch übersetzt.
Franz Escher wartet zuhause auf den Elektriker.
Um sich die Zeit zu vertreiben, liest er ein Buch über den Mafiosi Elio Russo.
Elio sitzt im Gefängnis und wartet auf seine Entlassung und sein neues Leben in einem Zeugenschutzprogramm.
Da er nachts oft nicht schlafen kann liest er ein Buch. Es handelt von Franz Escher, der auf den Elektriker wartet, denn eine Steckdose hat einen Wackelkontakt.
Wolf Haas erzählt zwei Geschichten gleichzeitig, die er miteinander verbindet.
Die beiden Geschichten verlaufen nicht einfach parallel, auch wenn das zunächst so aussieht.
Sie verlaufen in unterschiedlichen Zeitmodi. Während auf der einen Seite Marko Steiner alias Elio Jahrzehnte mit der Sorge durchlebt, von der Mafia entdeckt und liquidiert zu werden, vergehen bei dem Trauerredner Escher bis zur Beerdigung des Elektrikers nur wenige Tage.
Aber beide Erzählstränge laufen zielstrebig aufeinander zu, bis am Ende…
Als Leser frage ich mich ständig, welches denn nun die ‚echte‘ Geschichte ist?
Und da mich die Frage in beiden Büchern nicht loslässt, entsteht tatsächlich ein leichter Schwindel im Kopf, Haas würde sagen ein Wackelkontakt.
"Dieses Buch hat mir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht, weil ich eigentlich von vornherein davon ausgegangen bin, dass es nicht funktionieren wird.
Und dann war ich immer so beglückt, dass ich doch weitergekommen bin.
Es war mir sogar schon verdächtig, dass mir das Schreiben so einen Spaß gemacht hat.
Denn wenn mir Kolleginnen oder Kollegen sagen, ich schreibe einfach so gern, dann ist mir das immer total verdächtig" so Haas in einem Interview.
Als Leser spüre ich, welchen Spaß Wolf Haas beim Schreiben des Buches gehabt haben muss. Haas‘ Lust am Verwirrspiel ist unterhaltsam und vergnüglich.
Das Buch liest sich leicht und ist dennoch höchst anspruchsvoll.
…ach ja, ein Puzzle (-teil) spielt in dem Roman eine wichtige Rolle.
Helmut Törner-Roos