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06.08.2026

Buchtipp von Helmut Törner-Roos

Ewald Arenz: Der Große Sommer

Ein Sommer, wie er früher einmal war...

Buchtipp Erwald
Buchtipp Erwald

Dieser Sommer verläuft anders als sonst. Frieder schafft zum wiederholten Male die Versetzung in die 10. Klasse nicht und muss in die Nachprüfungen in Mathe und Latein.

Daher kann er in den Sommerferien nicht mit der Familie in den Urlaub fahren, sondern muss lernen.

Bei seinen Großeltern, seiner Großmutter Nana und seinem Großvater, einem Professor, den er bis zu seinem zehnten Lebensjahr siezen musste und zu dem er ein angespanntes Verhältnis hat.

Schöne Bescherung! Doch dann kommt alles ganz anders.

„Es war dieser eine Sommer, wie es ihn wahrscheinlich nur einmal im Leben gibt.

Dieser eine Sommer, den hoffentlich jeder hatte; dieser eine Sommer, in dem sich alles verändert.

Ja. Vielleicht ist es nicht Trauer allein, sondern vor allem eine Sehnsucht nach diesem Sommer – nach diesem unwiederbringlichen, zitternd schönen Zauber der ersten Male.“ (S. 11)

Auch seine Schwester Alma ist nicht mit in den Urlaub gefahren, da sie ein Praktikum im Altersheim absolviert.

Johann, sein bester Freud, ist auch die meiste Zeit im Lande. Und Frieder lernt Beate kennen - die Schöne in dem grünen Badeanzug, die plötzlich auf dem Siebeneinhalber-Sprungbrett neben ihm steht.

Frieder lernt von acht bis zwölf Uhr– so die Ansage seines Großvaters - nachmittags und abends unternehmen die vier etwas gemeinsam.

Viel Unfug, manche Mutprobe, nachts im Schwimmbad, auf einem Bagger im Steinbruch. Tage voller Zusammenhalt und Freundschaft und dem Gefühl grenzenloser Freiheit.

Der Roman spielt Anfang der 80er Jahre.

Leserinnen und Leser meiner Generation führt er zurück in Sommer der eigenen Jugend: eine ausschließlich analoge Welt, in der sich das Leben zwischen Dorf oder Kleinstadt, Schwimmbad, Wäldchen und den vertrauten Treffpunkten der Jugendlichen abspielte.

Ewald Arenz versteht es meisterhaft, diese Zeit der Jugend einzufangen und sprachlich lebendig werden zu lassen.

Während des Lesens hörte ich das Rascheln der Silberpappelblätter, roch den süßen Duft von Lebkuchen, stand in beschlagenen Telefonzellen, war bei Nieselregen im Schwimmbad und erlebte noch einmal die Sehnsucht nach dem einen Menschen sowie das Wechselbad der Gefühle zwischen Ablehnung und Zugehörigkeit.

Ein Roman, der von einem unvergesslichen Simmer erzählt – und davon, wie aus Jugend Erinnerung wird.

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