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22.09.2026

Buchtipp von Helmut Törner-Roos

Anne Freytag: Das blaue Wunder

BuchtippBlauesWunder
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Inhalt

Als Ferdinand von einem »Sommer auf dem Meer« sprach, hatte Nora etwas anderes im Sinn: weniger abgelegen, weniger beruflich.

Auch Franziska ahnte nicht, worauf sie sich einließ, als ihr Mann Kilian einen Urlaub zu siebt ankündigte - mit seinem Chef Walter Bronstein, Ferdinand Mattern, seinem größten Konkurrenten, den drei Ehefrauen und Walters Sohn David. 

Auf der luxuriösen Superyacht auf den Philippinen mangelt es ihnen an nichts. Eigentlich könnte es eine entspannte Zeit werden.

Doch die Gäste ahnen bald: Bei diesem Trip geht es um mehr, um etwas Großes. Nur worum genau, das scheint keiner zu wissen.

Wieso hat Walter die beiden Kontrahenten und ihre Frauen eingeladen?

Zwei Paare in den Vierzigern, die Kinder aus dem Gröbsten raus, die Eigenheime abbezahlt, die Karrieren steil – die der Männer, versteht sich.

Alle zeigen sich von ihrer besten Seite.

Es wird strahlend gelächelt und gekonnt konversiert. Eheleute, wie man sie sich nicht glücklicher ausmalen könnte. 

Aber nichts ist, wie es scheint.

Sie alle spielen eine Rolle in dieser Inszenierung.

Aber für wen? Und wer führt Regie? 

Anne Freytag beobachtet präzise und deckt schonungslos auf, was sie sieht.

Sie erzählt mit großer Dringlichkeit von stillschweigenden Übereinkünften, die aufgekündigt werden, von Erwartungshaltungen und Enttäuschungen, Bedürfnissen und Begierden, Konventionen und Geheimnissen.

Mein Eindruck

Der Klappentext lässt mich zunächst zögern: drei Paare auf einer Yacht, Männer in geschäftlicher Verbindung, Frauen als schmückendes Beiwerk – mhhh.

Doch Anne Freytag erreicht mich bald mit ihrer präzisen Sprache und ihrem bissigen Ton.

Der Roman wird aus den wechselnden Perspektiven der drei Frauen erzählt.

Das gibt dem Roman Tiefe, weil dieselben Szenen unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden. 

Gleichzeitig wird schnell deutlich, dass es bei dem Trip um etwas anderes als Urlaub geht. 

Nach und nach baut sich eine immer stärkere Spannung zwischen den Beteiligten auf.

Im Grunde ist das Buch ein bitterböses Kammerspiel - gut für die Bühne, sicher auch für eine Verfilmung geeignet.

Intelligente Unterhaltung: böse, spannend und ziemlich amüsant.

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